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FDP LV Net

FDP Internet-Landesverband

Vollversammlung 2007

Chancen eröffnen - Bildungspolitik für eine freie Gesellschaft

Beschluss der Vollversammlung des FDP LV Net 2007

Bildung ist die Voraussetzung für die Entwicklung einer freien Persönlichkeit. Bildung ist die Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg des Einzelnen und der gesamten Volkswirtschaft. Bildung ist die Voraussetzung für eine Bürgergesellschaft, in der freie und mündige Bürgerinnen und Bürger Gesellschaft gestalten.

Bildung in Deutschland ist aber heute vor allem eine Frage der Herkunft. Dies bestätigt sich auch in den jüngsten Untersuchungen zur Bildungslage in Deutschland (vor allem in der PISA-Studie). In keinem anderen Land der westlichen Welt hängen Bildungschancen und Bildungserfolg so stark von sozialen Faktoren ab wie in Deutschland. Das ist nicht nur in hohem Maße unsozial, sondern auch volkswirtschaftlich verheerend. Nachhaltige Politik muss auf Investitionen in die Köpfe setzen, um einerseits die Grundlagen für ein selbstbewusstes und kritisches Bürgertum zu schaffen und andererseits für wirtschaftliches Wachstum. Die Schulen müssen allen Schülern gleichermaßen die besten Chancen für einen Start ins Leben geben.

Statt starrer Vorgaben für Bildungsstrukturen brauchen wir klare Bildungsziele, die geeignet sind, Lehr-Lern-Prozesse zu leiten. Denn erst die Beantwortung der Frage nach den Bildungszielen und -inhalten sowie den zu erwerbenden Kompetenzen führt zu stimmigen Vorstellungen hinsichtlich der Organisation und Finanzierung von Bildung. Liberale setzen sich für die Anpassung des Bildungskanons an die grundlegend neuen Herausforderungen durch die zunehmende Dynamik der Globalisierung, immer rascheren Entwicklungen in der Informations- und Kommunikationstechnologie, einer Vervielfachung des dokumentierten Wissens, einer zunehmenden Komplexität von Planungs- und Steuerungsprozessen ein. Lernen darf nicht mehr ein begrenzter Lebensabschnitt sein, sondern lebenslanges Lernen
braucht einen Rahmen, damit jeder in den unterschiedlichen Lebensphasen notwendige Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben bzw. erweitern und vertiefen kann.

Um dieses Ziel zu erreichen, wollen die Liberalen folgendes Konzept umsetzen.

SCHULE muss umfassende Bildung vermitteln. Dazu gehören Allgemeinbildung und Fachwissen in verschiedenen Bereichen ebenso wie soziale Kompetenz, die Achtung der im Grundgesetz niedergelegten Werte, Lernkompetenz und Selbständigkeit. Die Wissensvermittlung in den Schulen muss verbessert werden, um eine solide Basis zu schaffen. Nur dann kann auf diesem Fundament aufbauend weiteres Wissen erworben und Sachzusammenhänge verstanden werden. Dies muss sich schon in der Lehrerausbildung niederschlagen, indem die fachliche Komponente in der Lehrerausbildung in einem ausgewogenen Verhältnis zur pädagogischen Ausbildung steht. Zudem muss die fachliche Weiterbildung von Lehrern verbessert werden. Insbesondere gehören zum verstärkt zu vermittelnden Wissen und Inhalten:
- naturwissenschaftliche, technische und mathematische Kenntnisse;
- geschichtliches Wissen;
- kultur- und kunstgeschichtliche Sachverhalte;
- die Beherrschung von Fremdsprachen und
- Kenntnisse des Rechts und wirtschaftlicher Zusammenhänge.

Speziell im Bereich Recht und Wirtschaft werden im Alltag von allen Menschen Kenntnisse verlangt, die traditionell nicht in den Lehrplänen für die Schulen aufgenommen sind. Hier ist es erforderlich, jungen Menschen das erforderliche Wissen an die Hand zu geben, mit dem sie sich in den verschiedenen Situationen des täglichen Lebens sowie im späteren Beruf leichter zurechtfinden können.

Im Unterricht wird den Lehrern ein großer Freiraum zugestanden, innerhalb des vorgegebenen Bildungskanons eigene und aktuelle Schwerpunkte zu setzen. Den Lehrern muss es ausdrücklich sein, auf die jeweilige Schülerschaft zu reagieren und die Inhalte an Begabungs- und Vorwissensniveau ihrer jeweiligen Schüler anzupassen. Um Durchlässigkeit und Vergleichbarkeit zu gewährleisten sowie der Mobilität keine Hindernisse in den Weg zu stellen, müssen jedoch die Bildungsziele für die jeweilige Klassenstufe und Schulform zum Ende des Schuljahres nachweislich erreicht werden.

Lesen, Schreiben und Rechnen müssen - als elementare Techniken - besonders intensiv unterrichtet und gefördert werden. Kinder, die Defizite in der Beherrschung der deutschen Sprache haben, benötigen spezielle Förderung, damit sie ihren weiteren Bildungsweg erfolgreich bestreiten können.

Darüber hinaus muss es für Schulen und Berufsschulen erleichtert werden, sich privatwirtschaftliche Mittel zur Bildungsfinanzierung zu erschließen. Künftig sollen sie auf private Mittel zurückgreifen dürfen. Sponsoringmodelle zum Beispiel für die IT-Ausstattung brauchen verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen.

AN DEN HOCHSCHULEN ist eine Verengung der Bildungsinhalte im Zuge des Bologna-Prozesses zu beobachten. Hochschulen können wegen der starren
Studienstrukturen nicht mehr so schnell wie früher auf aktuelle Entwicklungen reagieren. Auch ist das Ziel nicht erreicht worden, die Mobilität der Studenten zu erhöhen.

Die Hochschule der Zukunft bietet den Studierenden wieder einen Raum, für ihre Zukunft gebildet und ausgebildet zu werden. Sie ist ein Lebensraum für Studierende, den sie entsprechend ihrer Neigungen und Wünsche selbst mitgestalten können. Der Aufbau ihres Studiums kann in bestimmten Grenzen von ihnen frei gewählt werden. Ziel der Hochschule der Zukunft ist es, verantwortungsvolle und kompetente Akademiker auszubilden, die aus ihrem Studium für sich selbst, aber auch für die Gesellschaft, größtmöglichen Nutzen ziehen können. Für den Einzelnen geht es neben dem fundieren Wissenserwerb darum, Eigenständigkeit zu erlangen und die eigene Persönlichkeit und die eigenen Fähigkeiten zu entfalten. Der Bund, die Länder und die EU haben erkannt, dass der Rohstoff "Wissen" nicht mehr vernachlässigt werden darf. Deshalb leitet die Hochschule der Zukunft alle Studierenden zu selbständigem, interdisziplinärem, wissenschaftlichem Arbeiten an, sie vermittelt Fachwissen, wissenschaftliche Methodik und die Befähigung zu selbständigem lebenslangem Lernen.

Die Liberalen verlangen, den Hochschulen eine größere Flexibilität in der Gestaltung ihres Lehrplans zu geben. Die aktuelle Verschulung der Universitäten führt dazu, dass eine freie Bildung nicht mehr möglich ist, die einzelne Studenten auf aktive Forschung vorbereitet und die aktuelle Tendenzen aufnimmt. Stattdessen werden nach Vorgabe der sogenannten Modulpläne Einzelinhalte gelehrt, die schon in wenigen Jahren veraltet sein können. Praxisbefähigung ist nicht die direkte Berufsausbildung, sondern die Vermittlung grundsätzlicher Kompetenzen in einem Fach. Daher soll die universitäre Ausbildung die Flexibilität genießen, freies Denken zu lehren.

Die Vorteile des Bologna-Prozesses werden von den Liberalen keineswegs geleugnet. Es gibt klarere Strukturen als bisher und Erwartungen an Studenten und Lehrende werden besser als je zuvor kommuniziert. Die Liberalen unterstützen diese positive Entwicklung.

Universitäten müssen sich weiterhin als Forschungseinrichtungen verstehen dürfen. Die Lehre darf nicht zulasten der Forschung ausgebaut werden. Die Möglichkeit soll zwar geschaffen werden, sich entweder auf Lehre oder Forschung stärker zu spezialisieren. Lehr- und Forschungsprofessuren sind denkbar. Zugleich wäre aber die völlige Entkopplung von Forschung und Lehre für die Gesellschaft von Schaden, weil die universitäre Ausbildung zur Teilnahme an Forschung und Entwicklung befähigen soll. Dazu ist unabdinglich, Forschung und Lehre eng zu verbinden.

Für Hochschulen muss die Einwerbung von Drittmitteln weiter verbessert werden. Die wissenschaftlichen Kräfte an Hochschulen müssen von der Aufgabe entlastet werden, die Antragsbürokratie selbst verwalten zu müssen. Eine schärfere Trennung zwischen administrativer und wissenschaftlicher Tätigkeit soll im Bereich des Forschungsförderung angestrebt werden. Dabei sollen die wissenschaftlichen Kräfte zwar nach wie vor in Planung und Leitung wissenschaftlicher Projekte die tragende Verantwortung haben. Die Hochschulverwaltungen sollen sich als hausinterne Anbieter von Dienstleistungen verstehen.

BILDUNG BEGINNT schon vor der Schule. Die frühkindliche Bildung und Erziehung muss zu einem besonderen Schwerpunkt der Bildungs- und Familienpolitik in den nächsten Jahren werden, denn hier lassen sich Erfolge erreichen, die später nur noch schwer nachzuholen sind. Auch eine erfolgreiche Integrationspolitik für Kinder mit Migrationshintergrund setzt hier an. Die FDP fordert daher einen Ausbau an ganztägigen Betreuungsangeboten für alle Altersstufen. Zudem müssen Kindertagesstätten und Kindergärten in die Lage versetzt werden, schon frühzeitig nicht nur Ort der Kinderbetreuung und Erziehung, sondern auch der Bildung zu sein.
Angebote wie das Projekt "Haus der kleinen Forscher", mit dem Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam naturwissenschaftliche Bildung für die Kleinsten spielerisch vermitteln helfen, müssen in allen Kindertageseinrichtungen zum Standard werden. Erzieherinnen und Erzieher brauchen hierfür die notwendige Basis, die ihnen bereits in ihrer Ausbildung mit auf den Weg gegeben werden muss. Doch nicht nur die Bildung in Tagesstätten sondern gerade auch die Bildung durch und in der Familie ist für die Persönlichkeitentwicklung der Kinder und für späteres erfolgreiches Lernen von zentraler Bedeutung. Vor diesem Hintergrund gilt es, beste Bedingungen zu schaffen, damit Eltern ihrer Verantwortung tatsächlich auch gerecht werden können.

DIE LIBERALEN VORSTELLUNGEN für eine Verbesserung im Bildungswesen lassen sich auf sowohl die Hochschulen als auch die Schulen anwenden. Folgende Akzente sind uns Liberalen besonders wichtig.

Neben den inhaltlichen Kenntnissen müssen verstärkt vor allem folgende Kompetenzen - an Schulen gleichermaßen wie an Hochschulen - gefördert werden:
- Kommunikationsfähigkeit (auch in Fremdsprachen);
- Kritik- und Konfliktfähigkeit;
- Medienkompetenz;
- Führungs- und Teamfähigkeit;
- Unternehmergeist, innovative Kreativität;
- die Fähigkeit, zu analysieren und zu bewerten (Urteilsvermögen);
- Werteorientierung auf dem Boden des Grundgesetzes;
- Demokratieverständnis und Bürgerverantwortung;
- Umweltbewusstsein und
- die Fähigkeit, globale Zusammenhänge zu verstehen.

Die besten Bildungsstrukturen sind diejenigen, die jeden Lernenden aufgrund seiner individuellen Begabungen fördern und fordern. Vielfalt im Bildungswesen statt staatlich verordneter Gleichmacherei ist notwendig. Liberale setzen daher - soweit, wie es möglich ist, und dort, wo es sinnvoll ist - auf Wettbewerb auch im Bildungswesen. Private
Bildungsangebote stellen eine gute Ergänzung des Bildungssystems dar. Sie geben Impulse und können als best-practice-Beispiele auch das staatliche Bildungssystem verbessern. Dazu ist es notwendig, die Finanzierung privater Schulen zu verbessern. Es darf nicht sein, dass diese weniger Förderung pro Schüler erhalten als staatliche Schulen.

Private Angebote können aber die staatlichen Schulen und Hochschulen nicht ersetzen. Die Menschen müssen sich darauf verlassen können, dass Kinder und junge Erwachsene die bestmögliche Förderung erhalten. Auch dort, wo ein Markt für viele verschiedene Bildungsangebote nicht entstehen kann, ebenso wie für Schüler und Studenten, deren Eltern sich private Angebote nicht leisten können, muss jedem die bestmögliche Bildungschance eröffnet werden. Bildung darf kein Privileg finanzieller Eliten sein.

Dazu ist es erforderlich, alle Schulen und alle Hochschulen an der Erreichung verbindlicher Vorgaben und Qualitätsanforderungen zu schätzen und zu vergleichen. Dabei muss nicht nur das Bildungsergebnis eine Rolle spielen, sondern auch das fachliche wie fakultative Schulangebot, pädagogische Prozesse und Anforderungen an Fachkenntnisse und Fähigkeiten der Lehrerinnen und Lehrer. Die Evaluationen müssen in geeigneter Form gemessen werden. Es sollen hierbei aber auch Instrumente entwickelt werden, die die individuellen Besonderheiten von Schulen und Hochschulen herausstreichen, ohne in Zahlen ausgedrückt werden zu können. Gegenüber den jetzt vorherrschenden Rankings bei Hochschulen müssen die Möglichkeiten der Profilbildung ganz entschieden positiv gewichtet werden.

Das Bildungswesen muss weiterhin unter staatlicher Aufsicht stehen. Verbindliche Bildungsziele und ihre Erreichung müssen gewährleistet sein. Dies darf aber nicht dazu führen, dass die Hürden für private Bildungsangebote zu Hindernissen werden. Insbesondere muss gewährleistet sein, dass es nicht auf die Bildungsstruktur ankommt, sondern auf das Ergebnis, so dass gerade Bildungsangebote sich etablieren können, die andere Wege wählen. Schulen, Berufsschulen und akademische Bildungsangebote sollen sich eigenverantwortlich für Strukturen und pädagogische Konzepte im Rahmen bestehender Vorgaben zu Bildungsinhalten und Qualitätssicherungsvorgaben entscheiden können. Dabei muss die Durchlässigkeit sowohl horizontal als auch vertikal gesichert werden. Der Wechsel von Bildungsorten darf nicht zum Bildungsbruch werden. Der Wechsel innerhalb des Bildungssystems muss sich nach Leistung und Fähigkeit richten. So muss beispielsweise der Hochschulzugang auch für beruflich Qualifizierte ohne Abitur möglich sein.

Um Wettbewerb im Bildungssystem insgesamt zu fördern, muss in der Bildungsfinanzierung die Subjektförderung gestärkt werden. Zur nachhaltigen Förderung eines kreativen Wettbewerbs unter den Bildungseinrichtungen bedarf es daher des Übergangs von der bisherigen Praxis der staatlichen Bildungsfinanzierung durch starre Finanzpläne zu einer stärker nachfrageorientierten Finanzierung über die Bildungsteilnehmer. Dies lässt sich über das liberale Konzept der Bildungsgutscheine bewerkstelligen. Es eignet sich grundsätzlich für alle Arten von Bildungseinrichtungen, also auch für Schulen und Berufschulen sowie im Bereich der Weiterbildung.


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Herzlich willkommen!


Manuel Höferlin, seit April 2010 Vorsitzender des FDP LV Net

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